Das GLORIA Projekt

Die konstituierenden Sitzung 10–11 Dezember 2013 in Helsinki, Finnland

Chronische Schmerzen verstehen und die Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze: Der Fokus liegt auf der Schnittstelle zwischen Gliazellen und Opioid Rezeptoren

GLORIA ist eine internationale, fachübergreifende Kooperation und wird vom siebten Rahmenprogramm der Europäischen Union finanziert. Die Mitglieder des GLORIA-Netzwerks kommen aus fünf europäischen Forschungseinrichtungen: Universität Helsinki (Finnland), Karolinska Institut (Schweden), CERBM-IGBMC (Frankreich), Johann Wolfgang Goethe-Universität (Deutschland) und Chemedest OÜ (Estland). Das Netzwerk wird von Professor Eija Kalso von der Universität Helsinki koordiniert. Während des fünfjährigen Projekts werden die Forschungsgruppen die Rolle der Gliazellen-Aktivierung und neurologischer Entzündung bei chronischen Schmerzen aufklären.

Chronische Schmerzen

Chronische Schmerzen stellen ein großes sozialökonomisches Problem dar, von dem jeder fünfte Europäer betroffen ist. Bei Personen über 70 Jahren ist die Zahl sogar noch höher: Ein Drittel dieser Europäer leiden täglich unter mäßigen bis starken Schmerzen und müssen medizinisch behandelt werden. Aus unternehmerischer Sicht betrachtet, gehen erhebliche Mengen an Arbeitszeit wegen chronischem Schmerzleiden verloren, außerdem ist die Lebensqualität einer Person, die an chronischen Schmerzen leidet, stark eingeschränkt.

Die derzeitig verfügbaren Schmerzmittel bieten der Mehrheit aller chronischen Schmerzpatienten keine wirkliche Linderung. Die Analgetika sind selten effektiv genug und haben zudem starke Nebenwirkungen, welche häufig auch zu einem vorzeitigen Abbruch der Behandlung führen. Entzündungshemmende Schmerzmittel nicht-opioiden Ursprungs gehören zu den Hauptverursachern von durch Medikamentengebrauch ausgelösten Todesfällen. Opioidhaltige Schmerzmittel hingegen können bei einer längerfristigen Behandlung zu Toleranzbildung und Abhängigkeit führen. Eine Verbesserung der Sicherheitsprofile von bestehenden Schmerzmitteln könnte deren Wirksamkeit steigern, was einen möglichen Ansatz für eine Entwicklung risikofreier und wirksamer Schmerzmittel darstellt. Es könnten neue Medikamente entwickelt werden, die ganz spezifisch auf die verschiedenen Mechanismen hinter chronischen Schmerzzuständen abzielen, wie z. B. neuropathische Schmerzen, Arthrose und Fibromyalgie.

Die Forschungsziele von GLORIA

Der Fokus des GLORIA-Projekts liegt auf der Rolle der Gliazellen-Aktivierung und neurologischen Entzündungsvorgängen bei chronischen Schmerzen. Durch die Kombination von Grundlagenforschung mit klinischen Forschungsansätzen leisten wir einen Beitrag für die Entwicklung von sichereren und effizienteren Arzneimitteln um chronische Schmerzen zu behandeln. Darüber hinaus werden wir die medizinischen Möglichkeiten erweitern, um die jeweilige Behandlung an die individuellen Bedürfnisse von Schmerzpatienten anzupassen.

Unser Forschungsbereich beinhaltet Entzündungsvorgänge, Opioide und die durch Gewebe-und Nervenverletzung induzierte Gliazellen-Aktivierung. Dafür steht uns eine große Kohorte von chronischen Schmerzpatienten zur Verfügung. Durch die Auswertung von Entzündungsmarkern aus der Rückenmarksflüssigkeit erstellen wir Biomarker-Profile, außerdem untersuchen wir anhand von Positronen-Emissions-Tomographie (PET) die Aktivierung der Gliazellen im Gehirn, indem wir auf genetische Ansätze und etablierte Schmerztests zurückgreifen. Die individuellen Unterschiede in der Schmerzwahrnehmung werden über funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) untersucht. Wir verwenden funktionelle präklinische Modelle für Arthritis, Fibromyalgie, und neuropathischen Schmerz, um die Gliazellen-Aktivierung zu untersuchen und die Pathophysiologie dieser Bedingungen zu erforschen. Zur Identifizierung und Herstellung von neuen potenziellen Wirkstoffen für die Schmerzmittelforschung konzentrieren wir uns zum einen auf das Design und die Synthese von Präparaten, welche die toll-like-Rezeptor 4-vermittelte Aktivierung von Gliazellen blockieren und zum anderen auf Präparate, welche die Funktionsweise der GDNF-Familie nachahmen.


 
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